Aus der Serie ‘mein Lieblingssong’ - heute:
Stranger in Paradise
Kismet war ein Film, den sein Regisseur Vincente Minelli selbst überhaupt nicht mochte, schließlich mußte Stanley Donan für die letzten zehn Drehtage einspringen. Trotzdem war Kismet 1955 ein Riesenerfolg und bis heute ein Exotica-Klassiker. Der Stoff (König der Bettler will seine Tochter an einen Prinzen verheiraten, in der orientalischen Version wird er selbst zum Kalifen) war schon einige Male zuvor verfilmt worden (unter anderem 1944 mit Marlene Dietrich), basierte auf einem Theaterstück von 1911, und war 1953 ein Renner als komisches Musical am Broadway. Dieses wiederum war das Vorbild für den Film von 1955.
Unter den zahlreichen Hits, die Musical und Film hervorbrachten, war Stranger in Paradise der Größte, eine jener zeitlosen Melodien, die jeder irgendwie kennt, aber leider nicht so rech woher ...
Robert Wright und George Forrest waren als Team verantwortlich für einige Broadway- und Filmmusiken, sowohl als Komponisten als auch als versierte Adaptoren. Der größte Teil der Musik von Kismet ist inspiriert durch Werke des russischen Komponisten Alexander Borodin. Stranger in Paradise ist eine direkte Bearbeitung von Borodins Polovetzer Tänze aus seiner Oper Igor.
Im Soundmuseum gibt es unter anderem das Original gesungen von Ann Blyth und Vic Damone, und Versionen z.B. von Perez Prado als Cha-Cha verarbeitet oder als echte Exotica-Hymne von Enoch Light and the Light Brigade (auf Persuasive Percussion vol. 3), der seine Version nicht Stranger in Paradise sondern ehrlicherweise Theme from the Polovetzian Dances nennt.
EXOTISCHE WELTEN
Dass sich Künstler von Dada bis Picasso in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts von Exotica (z.B. als Primitivismus) inspirieren und beeinflussen liessen, ist hinlänglich bekannt. Wie sich der Einfluss von Exotica in anderen Bereichen der Kunst und des Kunstgewerbes vom 19. Jahrhundert bis heute manifestierte, zeigten vor allem zwei Ausstellungen: Exotische Welten - Europäische Phantasien 1987 in Stuttgart und Les magiciens de la terre in Paris.

Dass dieses Thema stets aktuell bleibt, bewiesen 2001 zwei Ausstellungen: Strange Paradises im Museum Casino Luxembourg mit einigen Installationen zu Vorstellungen von merkwürdigen Paradiesen und die Biennale in Lyon 2002 Partages d’Exotismes: Between 1993 and 2001 the Lyon Biennale has moved from changing the world to exoticism, from revolution to tourism. We accept the latter term with all its implications: obviously there's both a Victor Segalen side and a humorous side, but we're not trying to hide the ClubMed aspect, either. Here exoticism is one issue within a discussion about infinity. What counts for us, at the risk of seeming precious, is the fact that exoticism should be presented in the plural and be shared - for it is something that cuts both ways.
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